Wolfram Schottler: Perspektiven der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Tourismus

26.01.2010 | Freckenfeld
Grenzübergreifende Destinationen gibt es kaum. Analysen zeigen, dass besonders historische Kulturräume, aktuelle Landesgrenzen und naturräumliche Maßstäbe für das touristische Verhalten entscheidend sind. Der Managementberater Prof. Dr. Wolfram Schottler von der UnternehmenRegion Kommunalberatung hat 10 Jahre Erfahrung in der länderübergreifenden Zusammenarbeit besonders zwischen Deutschland und Frankreich.

Künstliche grenzüberschreitende Kooperationsräume wie am Oberrhein z.B. die PAMINA-Region haben es da in der Vermittlung einer gemeinsamen touristischen Werbebotschaft schwer. Schon der Name, PA steht für Palatinat = Pfalz, MI für Mittlerer Oberrhein und NA für Nord-Alsace, charakterisiert die Problematik, dass der Aufbau einer touristischen Marke, die auf einfach kommunizierbare Images und Markenaussagen funktioniert, hier für den grenzübergreifenden Raum zu sehr erklärungsbedürftig ist. Hinzu kommt, dass dieser grenzüberschreitende Raum nicht von "No-name-Regionen" gebildet wird, sondern von eigenständig erfolgreichen touristischen Marken: Pfalz, Elsass, Schwarzwald.

Gleiches gilt für andere Eurodistrikte am Oberrhein, oder an Saar und Mosel, die vielfach wünschenswerte Verwaltungskonstrukte und konsequenter Ausdruck einer guten interkommunalen Zusammenarbeit und gemeinsamen Regionalplanung sind, aber keine gemeinsamen Tourismusdestinationen in der Wahrnehmung der Gäste.

Wolfram Schottler: Die regionale Entwicklung für die Bevölkerung ist vielfach schon weiter:

Der grenzüberschreitende Austausch besonders im Bereich der Infrastruktur mit Straßen und zunehmenden ÖPNV-Angeboten zum Einkaufen, für Freizeit und bilingualen Kulturangeboten und sogar zum Wohnen sehr aktiv. Die Entwicklung von handlungsfähigen Tourismusorganisationen und gemeinsamem Marketingaktivitäten endet dabei praktisch noch immer an Landesgrenzen. Grenzüberschreitende Tourismusvereinigungen haben bestenfalls Verbandscharakter, aber kein ausreichendes Marketing.

Für Wolfram Schottler liegt in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit noch Potenzial für neue Märkte

Für viele Destinationen gilt, dass sie im Verdrängungswettbewerb oft stereotype Themen und Quellmärkte mit meist auch eingefahrenen Marketingaktivitäten bearbeiten können. In Deutschland richtet sich der Blick auf deutsche Gäste in Frankreich auf französische. Gründe liegen freilich in der Geschichte und den Sprachunterschieden. Dennoch fehlen für eine professionelle Bearbeitung des räumlich so naheliegenden grenzübergreifenden Raumes oft an Wissen: weitgehend unbekannt ist für Deutsche Tourismusmanager der französische Tourismusmarkt, Mentalität und Nachfrageanforderungen von Touristen in der Region, die aus Frankreich kommen. Dementsprechend fehlt es beidseitig an bilingualen Informationen und Angeboten, mit denen auch das Wissen und die Neugierde der Gäste für den grenzüberschreitenden Besuch entwickelt würden.

In der konsequenten Anwendung einiger strategischer Grundregeln sieht Wolfram Schottler hervorragende Chancen:

Die grenzüberschreitende Region muss am Verständnis eines gemeinsamen deutsch-französischen Kulturraumes arbeiten. Neben Abbau von bürokratischen Hemmnissen, Verbesserung der Infrastruktur sind vor allem Wissen und Sprachkompetenz über den Raum zu entwickeln. Für die Bürger der Region bedeutet dies die Bewerbung von grenzüberschreitenden Kontakten und sozialer Interaktion, Kultur, Vereinen, Handwerksleistungen etc. Der Bürger als Gastgeber ist in jeder Tourismusregion noch immer der beste Tourismusbotschafter. Für diese Entwicklung braucht es aber Zeit und einen systematischen Aufbau, den die Eurodistrikte vielfach betreiben. Ihre Tourismusorganisationen müssen jedoch weiter ertüchtigt werden.

Bilinguales Marketing und die Marktbearbeitung in zwei Nationen sind natürlich kostenintensiver. Dafür fehlen oft Mittel bzw. sind im Inland bei lokalen Tourismusorganisationen gebunden. Außerdem muss die grenzüberschreitende Organisation die Mitwirkung der lokalen Tourismusverbände organisieren.

Gemeinsames Marketing fußt auf einer handlungsfähigen Struktur und systematischen Vorgehensweise.

Für die Tourismusentwicklung sind als strategische Meilensteine zu planen:

  1. Herausarbeitung eines gemeinsamen Leitbildes mit Definition der alleinstellungsfähigen Merkmale und eines identifikationsfähigen Selbstbildes für die grenzüberschreitende Region. Das Leitbild gibt auch grundsätzliche Wegweisung für die regionale Tourismuspolitik, Entwicklung von Infrastruktur, regionalem Innenmarketing und dem Tourismusmarketing
  2. Analyse der grenzübergreifenden Nutzung von landschaftlichen und natürlichen Potenzialen, kulturellen Potenzialen und gemeinsamer Geschichte, Rad- und Wanderrouten und Veranstaltungen, die verschiedene Lebensarten und Mentalitäten zeigen. Dabei ist nicht nur die Summe der Besonderheiten der Teilregionen, sondern vor allem der grenzübergreifende Mehrwert bedeutsam.
  3. Festlegung von Themenkombinationen und Gestaltung von Angebotskombinationen für eine erkennbare Profilierung und Marktpräsentation der grenzüberschreitenden touristischen Destination.
  4. Schaffung einer leistungsfähigen gemeinsamen Organisationsstruktur für die Entwicklung und das Marketing de grenzübergreifenden Region unter Mitwirkungspflicht der regionalen Organisationen muss dabei das gemeinsame Dach bilden.
  5. Harmonisierung von Verwaltung, Planung, Berichtswesen und Organisationen, bzw. Festlegung einheitlicher Schnittstellen
  6. Festlegung der Zielgruppen und deren Erreichung in den Partnernationen sowie im internationalen Marketing
  7. Strategische Marktansprache mit Werbemaßnahmen zur Imagebildung zunächst im regionalen Innenmarketing, dann zunehmend ausgeweitet mit Kommunikation eines wiedererkennbaren regionalen Profils, das sich an "Leuchtturm-Angeboten" orientiert.
  8. Nachfrageorientierung und Kundenbeziehungsmanagement für die definierten Zielgruppen: Entwicklung eines bilateralen Customer Relationship Management.

Dabei liegen die Hauptziele für grenzübergreifende Regionen oder Eurodistrikte

  • in der Verbesserung der Kohäsion der Teilregionen
  • der Bildung eines Selbstverständnisses als grenzübergreifende Destination mit gemeinsamen touristischen Themen
  • Professionalisierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit
  • Verbesserung von Bekanntheitsgrad und Image durch Profilierung z.B. als deutsch französische Erlebnisregion mit Rad-, Wander-, Kultur-, Gesundheits- und Genuss-Angeboten
  • der partnerschaftlichen Wirtschaftsförderung von touristischen Dienstleistungen mit Qualifikation des grenzübergreifenden Angebotes

Eine international kooperative Regionalentwicklung für die Bildung einer grenzübergreifenden Destination ist dabei auch in mehrsprachigen Räumen keine illusionäre Vision mehr, sondern ein professionelles Projekt mit konkreten Anforderungen. Weitere Informationen und Beratung finden Sie unter www.unternehmen-region.eu oder sprechen Sie unterverbindlich mit Herrn Prof. Dr. Wolfram Schottler (email@unternehmen-region.eu)

Quelle: Pressemeldung UnternehmenRegion Kommunalberatung

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